Am Samstag (Tag vor dem Rennen) hat es wie aus Kübeln gegossen hat, und auch die Temperatur war erträglich. Ein erster Blick aus dem Fenster nach dem Aufstehen am Sonntag zeigt einen klaren Sternenhimmel ohne eine einzige Wolke. Ich bin guter Dinge, und freue mich auf das Rennen. Da wusste ich auch noch nicht was dieser Tag so bringen wird …
Die üblichen Vorbereitungen werden getroffen und um 5:15 geht es mit dem Shuttle Bus an die Transition Area. Leider können die paar ToiToi’s nicht benutzt werden, weil irgend jemand den Schlüssel verlegt hat. Ein paar Soldaten lösen das Problem nach ca. halben Stunde mit einer Brechstange und zur sprichwörtkichen Erleichterung vieler, die in den langen Schlangen warten.
Kurzes Einschwimmen. Die Wassertemperatur ist mit 26°C sehr hoch, Neo ist aber aus Sicherheitsgründen (die Strömung beträgt zwischen 2 und 3 km/h) erlaubt.
Um 7:00 fällt der Startschuss. Wie immer heisst es auch bei diesem Rennen mit wenigen Teilnehmern sich erst mal durch einen Wust von Brustschwimmern und sonstigen Hindernissen zu kämpfen. (Es braucht schon ein gesundes Selbstvertrauen, sich als Brustschwimmer in die erste Reihe zu stellen.)
Ich finde eine gute Linie, komme ideal zur 1. und auch zur 2. Boje, beides mit Strömung von rechst vorne. Jetzt kann ich mit der Strömung schwimmen und erreiche auch die nächste Boje auf direktem Weg. Jetzt gut vorhalten, um nicht abgetrieben zu werden. Das gelingt sehr gut. Bei der 4. Boje ist die Strömung am stärksten, und von jetzt ab voll dagegen an schwimmen. Ich versuche möglichst in Ufernähe zu schwimmen. Immer wieder lupfe ich den Wetsuit am Hals um Kühlung zu bekommen. Nochmals um einen Boje und dann ein ca. 200m Landgang, und auf zur 2. Runde. Auch diese läuft ideal. Nach einer Schwimmzeit von 56min hab ich die 3.8km hinter mir. Neue persönliche Bestzeit! Es hat sich doch gelohnt, dass ich die letzten Tage die Strecke mehrfach geschwommen bin, um die Strömungsverhältnisse kennen zu lernen. Einige Athleten sind mit der Strömung nicht so gut zurecht gekommen und haben entweder die 3. Boje ausgelassen, oder sind am Ufer zurückgelaufen. Leider hat die Rennleitung da nicht eingegriffen.
Wo bin ich? Ich öffne die Augen. Unbekannte Leute beugen sich über mich. Einer spricht Deutsch. Ich will fragen wo ich bin, es strengt mich an. Jemand sagt ich sei am Ironman in China. Ironman- was ist das? Was mache ich in China? Ich weiss nicht wie viel Zeit vergangen ist. Ich kann nur sehr langsam sprechen und meine Arme und Beine nicht bewegen. Ich bin in Eis gepackt. Man fragt mich wie ich heisse und wie alt ich bin. Ich sage 44, muss aber dann nachfragen ob das denn stimmt. Etwas Schlimmes muss mit mir passiert sein. Ich will mit dem Leuten reden, aber keiner versteht mich. Ich will sprechen, kann aber nicht. Ich fühle mich total hilflos. Anscheinend bin ich ohnmächtig geworden und gestürzt und dabei auf den Kopf gefallen. Ich werde mit einem Krankenwagen in ein Krankenhaus gefahren. Viele Ärzte und Schwestern kümmern sich um mich. Es wird ein CT vom Kopf gemacht, und ich bekomme x Infusionen. Es wird Blut abgenommen und untersucht. Es ist 9 Uhr abends. Im Bett neben mir liegt Jutta, eine Deutsche, die am 70.3 mitgemacht hat und im selben Hotel wohnt. Langsam geht es mit dem Sprechen und den koordinierten Bewegungen besser.
Anscheinend hatte ich durch das einmalige Trinken von Cola einen Insulinschock. Cola gab’s ja nicht überall. Dadurch bin ich wohl ohnmächtig geworden und gestürzt. Ich hatte das Gefühl für immer so limitiert und hilflos zu bleiben, ein Pflegefall zu sein, oder gar ganz den Löffel abzugeben. Ich dachte, das war es dann wohl. Jetzt hoffe ich, dass die Schrammen in meinem Gesicht, das aussieht, wie das eines Boxers nach der 12 Runde, das einzige sind was mir bleibt. Und die verheilen.
Um 23 Uhr bringt mich ein Auto des Krankenhauses an die Finishline, wo ich meine Sachen abhole. Dann nehme ich den Bus zur Transition Zone. Dort sammle ich Fahrrad und Säcke von mir und Jutta, die noch im Krankenhaus ist, ein. Mit viel Glück und der Hilfe von zwei sehr hilfsbereiten Volunteers kann ich einen Busfahrer überreden mich ins Hotel zu bringen, wo ich um 1:30 Uhr ankomme. Geschafft!
Ich packe meine Sachen aus, damit sie trocknen. Im Kühlschrank habe ich noch ein Bier. Das gönne ich mir jetzt und gehe dann schlafen.
An der Awardsparty am Montag hat der Swim Director erwähnt, dass es 45°C heiss war, und um die Luftfeuchtigkeit korrigiert, gefühlte 54°C. Ich war gut drauf und war bis zum Lauf 1. in meiner AK mit fast 50min Vorsprung. Das Verpflegungskonzept (auf der Velo und der Laufstrecke) muss unbedingt verbessert werden. Am Athleten Briefing wurde versichert, dass es Cola an jeder Aidstation gibt. Ach sollten speziell auf der Laufstrecke mehr Aidstations eingerichtet werden.
Ich bin nach dieser Erfahrung zwar ein wenig traurig nicht gefinisht zu haben, viel mehr bin ich aber glücklich und dankbar gesund zu sein.
P.S.: Patrick Wallimann ist bei seinem ersten IM als Profi zweiter geworden. Mike Schifferle als bester Agegrouper dritter!
P.P.S.: Die schnellste Marathon Zeit war 3:35 und ist von der Siegerin gelaufen worden.

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